Beratung

Der Einsatz his­to­rischer Anstrich­mittel bei der Re­staurierung von Fach­werk­fassaden

Seit Jahr­zehnten ver­sucht die chemische In­dustrie mit ihren Kunst­harz- und Acryl­farben bewährte Anstrich­mittel wie Leinöl und Sumpf­kalk zu imitieren. Dieser Ver­such ist für Fach­werk ge­scheitert, da der Ein­satz der Industrie­farben durch Ver­siegelung der Gebäude­oberfläche zu den jetzt auf­tretenden Bau­schäden und damit not­wendig werdenden Sanierungen geführt hat. Es ist deshalb nicht mehr ein­zusehen, warum ständig neue Produkte, deren Wirkungs­weisen gar nicht erprobt sein können oder die für ganz andere Zwecke ent­wickelt wurden für die Sanierung von Fach­werk zur An­wendung kommen, wenn die be­währten his­to­rischen Techniken zur Hand und zu alledem auch kosten­günstiger im Einsatz sind. Fach­werk ist ein traditionelles System aus organischen und mineral­ischen Bau­stoffen. Dies gilt nicht nur für die Konstruktion sondern auch für die Ober­flächen­behandlung. Tauscht man hier ein Material gegen ein anderes, ver­meintlich modernes, ver­ändert sich die Wirkungs­weise der anderen und es treten die bekannten Bau­schäden auf.

Jedoch nicht jede Farbe die Lein­öl enthält oder mit Lein­öl wirbt, ent­spricht diesen An­forder­ungen. Häufig wird einer Kunstharz­farbe Leinöl nur zur Ver­besser­ung der Streich­fähig­keit zu­ge­setzt oder es werden sog. Leinöl­farben an­gebot­en, die mit kalt­gelösten, nicht witterungs­beständigen Harzen zur Trocken­beschleunigung verschnitten sind. Diese Farben sind für Fach­werk ungeeignet, sie erfüllen die Anforderungen einer Leinöl­farbe für Holz im Außen­bereich nicht.

Problematisch sind hier vor allem die unter­schiedlich auf­tretenden Spannungen während der Trocknung und die Film­bildung auf dem Träger­material, die eine Ver­bindung mit dem Holz verhindert. Die häufig ge­führte Diskussion um die Dampf­diffusions­durch­lässig­keit ist erst in diesem Zusammen­hang ent­standen, da sie nur für film­bildende Produkte relevante Aus­sagen treffen kann. Traditionelle Lein­öl­anstriche unter­liegen hier anderen Kriterien. Die trocknenden Öle werden zu den Fetten ge­rechnet und verhalten sich dem­gemäss.

Einführung in die his­to­rische Lein­öl­technik

Vorbehandlung

Voraussetzung für den Ein­satz von Leinöl­farben ist das voll­ständige Ab­tragen der alten Farb­schichten. Dazu bietet sich das Nieder­druck­strahl­system an. Je nach Ober­flächen- und Unter­grund­be­schaffen­heit wird das Strahl­gut nach Härte­grad des Granulats und der Strahl­druck auf die An­forderungen eines substanz­schonenden Abtrags ein­gestellt. Das in geringer Menge zu­geführte Wasser dient zur Staub­ver­minderung. Aus Gründen der Er­haltung der Konturen­schärfe sollten be­schnitzte Flächen nicht im Nieder­druck­strahl­system ab­getragen werden. Hier empfiehlt sich die Ent­fernung mittels Heiß­luft oder Abbeiz­fluid.

Spachtel­massen und sog. Beta-Systeme werden ent­fernt, da sich an den Ver­bindungs­flächen von Masse zu Holz Feuchtig­keit sammelt die zu Fäulnis führt. Geschädigte Hölzer werden zimmer­manns­technisch ersetzt. Fugen und Risse, durch die Wasser ein­dringen kann, werden mit adäquaten Hölzern ge­schlossen. Die An­schluss­fugen von Fach­werk und Gefach werden mit Mörteln, die zu den unter­schied­lich arbeitenden Materialien eine Brücke bilden, ge­schlossen. Grund­sätzlich ist bei der Fach­werk­sanierung darauf zu achten, dass ein­dringendes Wasser immer auch heraus­trocknen kann. Vor allem die An­strich­mitteln müssen dieser Forderung folgen, da eine nicht feuchtig­keits­regulierende Ver­siegelung der Ober­fläche zu erheblichen Bau­schäden führt.

Leinöl als Bindemittel

Leinöl ist das Öl der Flachs­samen. Das kalt ge­presste Lein­öl ist als Binde­mittel noch un­geeignet, es wird durch Er­wärmen ge­reinigt und auf­bereitet, wobei sich die Schleim­stoffe und wässrigen An­teile reduzieren.
Durch Voroxydation, d.h. Zu­führung von Sauer­stoff ent­steht das hoch­viskose Stand­öl.
Die sog. Trocknenden Öle und somit auch Lein­öl trocknen nicht durch Ver­dunstung sondern durch Aufnahme von Sauer­stoff aus der Luft, also durch Oxydation. Die Sikkativierung (heute meist mittels Kobald), erhöht die Fähig­keit des Lein­öls, Sauer­stoff auf­zunehmen und ver­kürzt damit die Trocken­zeit. Wegen seiner guten Ein­dring­tiefe geht Lein­öl eine Ver­bindung mit dem Holz ein, reguliert die Eigen­feuchtig­keit des Holzes und schützt gleich­zeitig vor Be­witterung. Da Lein­öl sich durch starke Sonnen­ein­strahlung reduziert, werden mit ihm fossile Harze ver­kocht und Erd­pigmente zu­gesetzt, deren Farbig­keit den ästhetischen Ein­druck des Ge­bäudes bestimmt.

Die Farb-Pigmente historischer Anstriche

Hierzu kommen als his­to­rische Pigmente die Ocker, Umbren und Eisen­oxyd­erden sowie Schiefer­mehle und Oxyd­schwarz in Frage. Für farbige Fassungen sind die Kupfer­pigmente = Grün, Mennige als Rot­pigment und nach ca. 1710 das sog. Preußisch bzw. Berliner Blau und ab Mitte des 19.Jhds. das Ultra­marienblau anzuwenden. Als Ersatz für das his­to­rische Blei­weiß steht eine Mischung aus weißer Tonerde und Titan­weiß zur Ver­fügung. Die Ver­wendung von Zink­weiß ist aufgrund der Über­säuerung des Binde­mittels im Oxydations­prozess und der damit ein­hergehenden Zer­setzung problematisch.

Zur Steigerung der Leuchtkraft der Farben kann eine Lüstrierung mit Lasuren auf der deckenden Farb­schicht erfolgen. Als Lasurpigmente kommen die in der Fass­malerei ge­bräuch­lichen Lasuren aus Kupfer­resinat = Grün, Preußisch Blau und Krapp­rot (heute synthetisch: Alizarin­karmin) zur An­wendung. Fassungen mit hoher Farb­brillanz z.B. Inkarnate sollten zuvor mit Öl-Kreide-Grund weiß grundiert werden.

Die Anstrichtechnik

Der in der Tafelmalerei geltenden Regel „von Mager zu Fett“ ist auch in der An­strich­technik zu folgen. Das rohe Holz wird mit Halb­leinöl grundiert. Danach er­folgen zwei Farb­schichten, deren Binde­mittel­gehalt die Nach­sättigung der Grund­ierung und somit eine optimale Ver­bindung mit dem Träger­material bewirkt. Zum Schluss wird das Binde­mittel als Firnis zur Nach­sättigung der Pigment­schicht auf­getragen. Diese Technik er­bringt einen homogenen Farb­auftrag, der eine direkte Ver­bindung mit dem Holz eingeht und gleich­mäßig ohne Spannungs­unter­schiede auf­trocknet.

Auf gealterten Leinöl­anstrichen und Fassungen kann ohne Ab­tragen der Farbe durch das er­neute Nach­sättigen des Binde­mittels die ur­sprüngliche Farb­frische wieder­hergestellt werden. Leinöl erfüllt somit auch die heute so dringend gestellte Forderung der Nach­haltig­keit.

Anstrich der Gefache mit Sumpf­kalk-Putzschlämme

Die Misch­bau­weise Fach­werk besteht nicht nur aus dem Holz­ständer­werk sondern auch aus den mit mineralischen Bau­stoffen ge­schlossenen Gefachen. Häufig werden Gefache ver­schiedenster Materialien vor­gefunden. Lehm auf Geflecht und als Lehm­steine, Ziegel, die mit ver­schiedensten Mörteln gemauert sind und unter­schiedliche Putz­flächen. Es bedarf also einer Be­schichtung, die allen diesen Unter­gründen gerecht wird und feuchtig­keits­regulierend wirkt. Zudem soll der Ein­druck eines ein­heitlichen Bau­körpers wieder her­gestellt werden.

Auch hier eignet sich am besten ein his­to­risches Anstrich­mittel. Sumpf­kalk-Putz­schlämme aus mind. 2 Jahre altem Sumpf­kalk ver­eint die Vor­züge eines Putzes und einer hoch­witterungs­beständigen Farbe ohne die Ober­fläche zu versiegeln. Sie ist die ein­fachste Art auf eine Mauer­fläche eine gleich­mäßige Schutz-, Deck- und Farb­schicht in einem Zug auf­zubringen. Die Putz­schlämme besteht aus Kalk­stein­mehl, das mit dem Sumpf­kalk durch Auf­nahme von Kohlen­stoff aus der Luft zu einer stabilen Kalk­stein­schicht ver­sintert. Der Bau­stoff Kalk ist der einzige, der sich mit allen anderen Bau­stoffen, selbst mit dem his­to­risch ver­wendeten Gips­mörtel ver­trägt. Er ist zudem wasser­abweisend und gleich­zeitig atmungs­aktiv und wird mit kalk­echten Mineral­pigmenten ein­gefärbt.

Damit unterscheidet er sich grund­sätzlich von den sog. Mineral­farben, deren Binde­mittel Kali­wasserglas ist. Mineral­farben wurden zur farbigen Fassung von Zement­putzen ent­wickelt und er­füllen hier aus­gezeichnet ihre Aufgabe. Bei der Fach­werk­restaurierung ist von ihren Einsatz ab­zuraten, da Kali­wasserglas vor allem auf frischen Kalk­putzen ein Ver­siegeln der Ober­fläche bewirkt. Hieraus entsteht die Gefahr der Ab­schalung der Putz­schichten.

Unabhängig von der Farbigkeit hat sich die Be­handlung mit Lein­öl und Sumpf­kalk über Jahr­hunderte bewährt. Ohne diese her­vor­ragenden Anstrich­mittel hätten Fach­werk­bauten nicht bis auf unsere Zeit über­lebt.

Häufig gestellte Fragen von A bis Z:

Anschlussfugen

Muss man alle alten Silikon- und Acryldichtmassen vom Fachwerk entfernen?

Ja, grund­sätz­lich, denn diese modernen Dichtungs­massen gehören nicht an Fachwerk­fassaden denn sie richten dort lang­fristig Schäden an.

Soll man alle Risse und Fugen im Fach­werk schließen?

Risse und Fugen im Fachwerk, in die Wasser ein­dringen kann, das nicht mehr ab­läuft oder ab­trock­net sollten ge­schloss­en werden. Es ist grund­sätz­lich auf den kon­struktiv­en Holz­schutz zu achten, d.h. Wasser sollte nicht ein­dringen, sondern an der Fassade ab­laufen.

Wozu ist der Kellen­schnitt?

Der so­genannte Kellen­schnitt hat die Auf­gabe, die organischen Holz­balken von den an­organischen Gefachen zu trennen. Damit ist eine Soll­bruch­stelle ge­schaffen, die ver­hindert, dass die um­laufen­de Ge­fach­fuge un­kalkuliert bricht oder der Putz ab­schert.

Fachwerkbalken

Die Fachwerkbalken haben Risse, wie kann man diese schließen?

Schmale Risse unter einer Breite von 5mm sind mit Lein­öl­kitt, dem tra­ditionel­len Fenster­kitt, einer Mischung aus Leinöl und Kreide, zu schließen. Dazu wird der Lein­öl­kitt mit einem Spachtel möglichst tief in den Riss gedrückt und an­schließend mit einem groben Putz­lappen in die Maserung des Holzes ein­ge­arbeitet. Danach werden die Balken mit Lein­öl­grundierung gestrichen.
Breitere Risse sind mit Holz aus­zu­spanen. D.h. der Riss wird möglichst ge­rade er­weitert, ein keil­förmig zu­ge­richtetes Holz wird in den Riss ein­seitig ein­geleimt und nach dem Ab­binden des Leims über­schnitten.

Fachwerkgefache

Warum sollten die Gefache fertig­gestellt werden, bevor das Fachwerk ge­strich­en wird?

Es ver­ein­facht den Arbeits­ablauf bei der Sanier­ung von Fach­werk­fassaden, wenn als erstes die Balken mit der FACHWERKFARBEN Grundierung im­prägniert und danach die Ge­fache fertig ge­stellt werden. Die mit Lein­öl grundierten Hölzer ver­hindern die An­haftung der mineral­ischen Aus­fachungen und Putze. Diese groben Arbeiten können relativ frei aus­geführt werden, Mörtel oder Putz­reste auf den Balken sind an­schließend mühelos mit der Messing­bürste zu ent­fernen. Der evtl. auf den Hölzern ver­bliebene Kalk­staub bildet bei Leinöl­farben kein Problem, sodass zum Ab­schluss das Fachwerk kanten­genau ge­strichen werden kann.

Dürfen die Gefache auch über die Balken verputzt werden?

Nein, da das organische Material Holz immer „arbeitet“, die mineralischen Mörtel und Putze jedoch starr sind, werden die über die Fachwerk­balken ge­putzt­en Flächen über Kurz oder Lang ab­platzen, was nicht nur ein ästhetisches Problem ist, sondern auch zum Ein­dringen von Feuchtig­keit führen kann, die langfristig Schäden am Fach­werk ver­ursachen würde.

Farbpigmente

Was bedeutet mineralische Pigmente?

Mineralische Pigmente sind alle die Färbe­stoffe, die aus Mineralien ge­wonnen werden. Dazu zählen vor allem die na­türlich­en Erd­farben, wie z.B. un­gebrannt­er Ocker = Gelb und gebrannter Ocker = Orange, Eisenoxydfarben = Rot oder Ruß = Schwarz und die Brauntöne der Umbren, aus Eisen- und Mangan­oxyd. Blaue Farben standen früher nur als Mineral­farben aus Halb­edel­steinen, wie Azurit oder Lapislazuli zur Ver­fügung. Sie waren deshalb sehr teurer. Seit der Synthetisier­ung als Berliner Blau Anfang des 18. Jahr­hunderts und des Ultra­marinblaus Mitte des 19. Jahr­hunderts, sind sie auch als An­strich­farben er­schwing­lich. Mischung­en aus Blau und Gelb bilden die grüne Farb­palette.

Bleichen mineralische Pigmente vom Sonnenlicht aus?

Da es sich um Mineralien handelt, deren färben­de Wirk­ung durch Metalle wie Eisen, Mangan oder Kupfer ent­steht, sind alle mineralischen Farben voll­kommen licht­echt.

Gerbsäure

Woher kommen braune Läufer auf den Gefachen?

Alle Hölzer ent­halten Gerb­säure un­ab­hängig von ihrem Alter. Die Bäume pro­duzieren diese, auch Tannine ge­nannt­en, Stoffe zum Schutz vor Fress­feinden. Besonders viel davon enthält Eichen­holz. Diese sogenann­te Eichen­lohe ist wasser­löslich, kann sich an den Tropf­kanten der Fachwerk­hölzer sammeln und dann mit dem Regen aus­waschen. Das gibt dann braune Läufer auf den Gefach­flächen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Tannine

Wie kann man die braunen Läufer der Gerbsäure entfernen?

Die Läufer werden mit einer 5%-igen Lösung von Natriumdithionit in Wasser be­netzt und ver­schwinden dann wie Zauber­tinte.
https://de.wikipedia.org/wiki/Natriumdithionit

Kann man bei der Fachwerksanierung vorsorglich etwas gegen Gerbsäureaustritte tun?

Da es sich um einen Holz­inhalts­stoff handelt, ist ein 100%-iger Schutz nicht möglich. Da die Gerb­säure vom ab­tropf­enden Wasser, das sich an der Unter­kante der Riegel sammelt löst und mit­geführt wird, ist es hilf­reich die Balken möglichst weit um die Kanten zu grundieren.

Lasuren

Was bedeutet Lasur?

Lasur ist eine wenig pig­mentier­te Farbe, sodass der Unter­grund, z.B. die Holz­maserung durch den An­strich sicht­bar bleibt.

Sind Lasuren besser für das Holz als andere Farben?

Industrielle Lasuren sind nicht besser oder schlechter als andere Kunst­stoff- oder Kunst­harz-gebundene Farb­be­schicht­ungen. Die Be­zeichnung „Holzlasur“ ist des­halb im eigentlich­en Sinn irre­führend.

Leinölfarbe

Warum wird das Holz vor dem Leinölanstrich grundiert?

Um eine gute Eindring­tiefe des Leinöls und damit eine mög­lichst hohe Witterungs­beständig­keit zu er­möglich­en. Das gleiche gilt für Holz­fuß­böden. Die müssen nach ca. einer ½ Stunde nach dem An­strich gründ­lich ab­gewischt werden, damit sie gleich benutz­bar sind und über­schüssiges Leinöl nicht länger nach­kleben kann.

Wie funktioniert das FACHWERKFARBEN Leinöl-Farbsystem?

Das FACHWERKFARBEN Leinöl­system:
  1. 1-maliges Imprägnieren der Hölzer mit FACHWERKFARBEN Grundierung
  2. 1-2 maliger Anstrich der Hölzer mit FACHWERKFARBEN pigmentierter Leinölfarbe
  3. 1-maliger Anstrich mit FACHWERKFARBEN Firnis. Dieser Schussanstrich sorgt für die gleichmäßige Sättigung des Anstrichs bei, wegen des unterschiedlichen Anschnitts unterschiedlich saugenden Hölzern.
Für ein holzsichtiges Erscheinungsbild entfällt der pigmentierte Anstrich.

Wo ist der Unterschied von FACHWERKFARBEN Firnis und Leinölfirnis aus dem Baumarkt?

FACHWERKFARBEN Firnis ist das Binde­mittel der Farbe ohne Pigment, also die Mischung von Leinölen unter­schiedlich­er Viskosität. Da sich Leinöl unter UV-Licht ab­baut, ist dieser Schluss­firnis auch mit UV-Absorber lieferbar. Als Leinöl­firnis, der z.B im Bau­markt er­hältlich ist, wird mit Trocken­stoffen ver­kochtes Leinöl bezeichnet. Da es zum Ver­gilben neigt, wird es nur für Grundierung­en ver­wendet.

Kann Leinölfarbe vom Regen abgewaschen werden?

Nein, denn Leinöl­farben sind absolut wasser­fest.

Warum blättert alte Leinölfarbe nicht ab?

Leinöl­farbe ist keine Be­schicht­ung, sondern bildet eine vom Leinöl ge­bundene Schüttung der Pigment­teilchen auf dem Holz. Wenn sich das Leinöl in Laufe der Zeit durch den natürlich­en Alterungs­prozess reduziert und seine Binde­kraft ver­liert, „sanden“ die Pigmente ab. Da dieser Prozess von außen nach innen ver­läuft, kann Leinöl­farbe nicht ab­blättern.

Wie frischt man einen gealterten Leinölanstrich auf?

Nach dem Säubern vom Straßen­staub oder anderen Ver­schmutzung­en wird der Leinöl­anstrich ein­fach mit FACHWERKFARBEN Firnis über­strichen.

Muss alte Leinölfarbe vor dem Neuanstrich entfernt werden?

Nein, da die Pigmente einer ge­altert­en Leinöl­farbe nicht mehr aus­reichend ge­bunden sind und man diese Bindung durch den Er­neu­erungs­anstrich mit Leinölfarbe wieder­herstell­en kann.

Wie trocknet Leinölfarbe?

Leinölfarben trocknen nicht durch Ver­dunst­ung eines Löse- oder Trenn­mittels, wie Lacke oder Dispersions­farben, sondern sie härten durch Oxydation aus. Hierzu nehmen sie den Sauer­stoff aus der Luft auf, was zu­nächst zur Volumen­vergrößer­ung führt um sich dann in einem komplizierten Prozess zu ver­festigen. Eine gute Be­lüft­ung ist also Voraussetz­ung für die „Trocknung“. Wärme und UV-Licht be­schleunig­en die Trocknung zu­sätz­lich.

Kann man Leinölfarbe vor Sonnenlicht schützen?

FACHWERKFARBEN Firnis mit UV-Absorber ist das Mittel der Wahl um eine längere Stand­zeit von stark UV-belasteten Fassaden zu er­zielen. Der UV-Absorber lenkt die UV-Strahlung inner­halb der Firnis­schicht ab und re­duziert damit die schädigende Wirkung des UV-Lichts auf das Leinöl.

Hält Leinölfarbe auch auf alten Anstrichen?

Grund­sätzlich haftet Leinöl­farbe auf allen Unter­gründen. Die Vor­teile eines Leinöl­anstrichs auf Holz sind allerdings nur bei der An­wendung auf rohen d.h. offen­porigen Hölzern oder ge­alterten Leinöl­anstrichen gegeben. Ein über­strichener Alt­anstrich aus Kunst­harz- oder Acryl­farben wird nur optisch ver­bessert, auf seine Halt­barkeit hat die Leinöl­farbe keinen Einfluss.

Wieso ist Leinöl gut für Holz?

Leinöl dringt in das Holz ein und „fettet“ die Zell­wände des Holzes. Leinöl ist ein so­genanntes trocknendes Öl. Es oxydiert durch Sauer­stoff­aufnahme und schützt so das Holz vor ein­dringender Feuchtig­keit, gleich­zeitig ermöglicht es den Aus­tausch der Grund­feuchtig­keit des Holzes mit der Um­gebungs­atmosphäre, die so­genannte Wasser­dampf­durch­lässig­keit.

Welche Vorteile hat Leinölfarbe auf Holz im Außenbereich vor anderen Farbsystemen?

Leinöl­farbe ist keine Be­schicht­ung, die diese Wasser­dampf­durch­lässig­keit ver­hindert oder ein­schränkt, das Holz kann unter dem An­strich „atmen“.

Leinöl-Holzölfarbe

Was ist der Unterschied zwischen Leinölfarbe und Leinöl-Holzölfarbe?

Leinöl­farbe ent­hält als Binde­mittel vor­oxidiertes Leinöl unter­schied­licher Konsistenz. Eine Mischung aus dünn­flüssigem Lack­leinöl und dick­flüssigem Standöl binden die Pigmente unter­einander und an das Träger­material. Holz­öl­farbe enthält zu­sätzlich eine Mischung aus Leinöl und chinesischem Holz­öl.

Was ist Holzöl?

Holzöl oder Tungöl ist das Pflanzen­öl aus den Samen ver­schiedener süd­asiatischer, Sträucher der Gattung Vernicia. Es wird aus den Samen ent­weder kalt- oder heiß ge­presst. Tungöl polymerisiert ähnlich wie Leinöl, und erhöht die Halt­bar­keit, Witterungs­beständig­keit und Abrieb­festig­keit der Farbe.
https://de.wikipedia.org/wiki/Holzölbaum

Sumpfkalk

Warum ist Sumpfkalk-Putzschlämme der beste Anstrich auf Kalkputz?

Wie der Name sagt, ist das Binde­mittel der Sumpfkalk-Putzschlämme mind. 2 Jahre ein­gelagerter Sumpfkalk. Beim Brand wird dem Kalk­stein der Kohlen­stoff ent­zogen, im Wasser ein­gelagert zerfällt er langsam, nimmt, der Luft aus­gesetzt den Kohlen­stoff wieder auf und härtet zu Kalk­stein aus. Dieser Prozess wird „Carbonatisierung“ genannt. Er gilt sowohl für Kalkmörtel, -putz als auch Schlämme, d.h. die Sumpfkalk-Putzschlämme bindet ge­meinsam und auf gleiche Weise mit dem Kalk­putz ab. Dazu kommt die per­fekte Dampf­diffusions­durchlässig­keit des Kalks.

Warum muss man vor dem Anstrich mit Sumpfkalk-Putzschlämme die Fläche gut anfeuchten?

Der oben be­schriebene Ab­binde­prozess funktioniert nur in feuchter Um­gebung, ist der Kalk erst einmal trocken nimmt er keinen Kohlen­stoff mehr auf. Ge­schieht das bevor der Kalk ab­gebund­en ist, spricht man von aus­brennen, der An­strich hat nicht aus­reichend Binde­kraft und kreidet ab.

Zementputz

Warum sind Zementputze für Fachwerk ungeignet?

Zementputze bilden eine starre Schale auf der Putz­fläche, die die für das Fach­werk not­wendige Dampf­diffusion ver­hindert. Feuchtig­keit kann sich nicht mehr über die Gefach­flächen aus­tausch­en. Das gilt im Be­sonderen für die, mit Kunst­stoff­dispersion hydro­phobierten Fertig­putze.